Schwarzgeld

Schwarzgeld

Zwei Mordanschläge auf CSU-Politiker innerhalb weniger Tage. Und das kurz vor der Landtagswahl, in der es die absolute Mehrheit zu verteidigen gilt. Der Großindustrielle Ludwig Kaiser aus dem Millionärsstädtchen Starnberg scheint seine Finger ebenso im Spiel zu haben wie eine geheimnisvolle Hellseherin, zu deren Kunden nicht nur der Ministerpräsident zählt, sondern auch Spitzenpolitiker der Opposition. Welchen Einfluss hat eine Astrologin auf die bayerische Politik? Handelt es sich gar um politischen Terrorismus? Ein Fall für die Münchner Mordkommission unter der Leitung von Hauptkommissar Jürgen Sonne und für den Lokalreporter Frank Litzka, der sich einem großen Skandal im bayerischen Polit-Sumpf auf der Spur sieht.

Jetzt auch als Hörbuch erschienen!

Focus: Zwei Mordanschläge auf CSU-Politiker kurz vor der Landtagswahl, ein korrupter Großunternehmer und eine geheimnisvolle Wahrsagerin - Zutaten für eine Wahnsinnsstory. Harry Luck würzte Phantasie mit Fakten und schrieb “Schwarzgeld”. Prägnant, zuweilen satirisch, schildert Luck das politische Milieu rund um den bayerischen Landtag und die Münchner Staatskanzlei - mit hohem Wiedererkennungswert.

Welt am Sonntag: Harry Luck greift nicht nur ins pralle Leben, sondern schöpft auch aus dem Schatz seiner unmittelbaren Erfahrungen. Luck beobachtet seit Jahren die bayerische Landespolitik. Vielleicht heißt sein Werk deshalb “Schwarzgeld”.

Münchner Merkur: Richelieu zeigte seine undurchschaubare Miene, Karl der Große blickte majestätisch drein. “Das ist hier schon ein sehr ehrwürdiger Rahmen”, sagte Harry Luck. Einschüchtern ließ er sich dennoch nicht: Am Dienstagabend präsentierte der Münchner Schriftsteller seinen Krimi “Schwarzgeld” im Lesesaal des Bayerischen Landtags. Vor den Gemälden großer Staatsmänner an den Wänden und einem fantastischen Sonnenuntergang hinter den Fenstern folgte Luck der Einladung von SPD-Fraktionschef Franz Maget. Der liest selbst gerne Krimis und so kam er auf die Idee mit der Buchvorstellung. Und weil “Schwarzgeld” in der Münchner Lokalpolitik spielt, schien der Landtag der passende Ort zu sein.
Rund fünfzig Gäste hörten gebannt zu, wie Luck Appetit machte auf seine verzwickte Geschichte. In der wird auf zwei Politiker geschossen, wollen zwei Augenzeugen - ein Sparkassenfilialleiter und sein Gschpusi aus dem Rotlichtmilieu - die Polizei nicht einschalten. Stattdessen informieren sie einen Lokalreporter, der seine journalistische Neugier beinahe mit dem Leben bezahlt.
“Das ist natürlich alles Fiktion, keine der Figuren hat ein reales Vorbild”, beeilte sich Luck zu versichern - aber wenn der eine oder andere Leser Parallelen zu Schmiergeld-Skandalen großer Parteien entdecke… Franz Maget kommentierte: “Man liest sich durch die Staatskanzlei.” Es ist bereits der zweite München-Krimi des 31-jährigen Harry Luck, der hauptamtlich als Journalist in der Isar-Metropole arbeitet. Und so wie er seinen rasenden Reporter Frank Litzka in “Schwarzgeld” beschreibt, dürfte der ein oder andere Leser auch da Ähnlichkeiten entdecken.

Süddeutsche Zeitung (Ausgabe Starnberg): Zwei Mordanschläge auf CSU-Politiker kurz vor der Landtagswahl - diese Geschichte scheint so recht nach dem Herzen der Opposition. In der Story ist alles drin: bayerische Politiker, Rotlichtmilieu, Hellseherei und ein handfester Skandal, der überdies auch noch im Landkreis Starnberg spielt - genauer in Berg - und den Leser auffällig an die jüngste Spenden-Affäre erinnert. Das wiederum macht es schwierig, nicht sofort an lebende Personen zu denken. Franz Maget zieht dann auch gleich Parallelen zwischen Richard Stiller, der Romanfigur, und dem früheren Berger CSU-Landtagsabgeordneten Klaus Gröber. Und in dem Starnberger Großindustriellen Ludwig Kaiser, der im Roman die Strippen zieht, meint er den Kaufmann Siegried Genz zu erkennen. “Nein. Nein. Nein”, sagt Harry Luck und beteuert. “Schwarzgeld ist kein Schlüsselroman, die Handlung ist frei erfunden.” Muss er wohl, will er sich keinen Prozess einhandeln.

“Passauer Neue Presse”: Der SPD-Fraktionschef Franz Maget hat ein blutrünstiges Hobby. Er verschlingt Krimis. Als Kenner stellte er dieser Tage einen ganz besonderen Reißer vor: “Schwarzgeld”, geschrieben von Harry Luck (31), dem Chef der Nachrichtenagentur ddp. Der lässt Kabalen und Triebe in der Staatsregierung spielen. “Ähnlichkeiten wären rein zufällig”, behauptete der Autor und legte Wert auf die Feststellung, dass es sich nicht um einen Schlüsselroman handelt. Und wenn auch das Arbeitszimmer von Edmund Stoiber exakt beschrieben ist, so legt doch jeder die Hand dafür ins Feuer, dass der “richtige” Ministerpräsident nicht zur Wahrsagerin geht. Irgendwie erkennt man alle Figuren durch aktuelle Bezüge, gleichzeitig aber sind sie dadurch seltsam fremd in ihrer klischeehaften Gier nach Macht und Geld. Die Schwarzen als Bösewichte - das hat Maget gut gefallen.

“Starnberger Merkur”: Zwei Mordanschläge werden kurz vor der Landtagswahl auf CSU-Politiker verübt, einer von beiden ist ein Landtagsabgeordneter aus Berg, der in dubiose Machenschaften mit einem nicht minder dubiosen Großindustriellen aus Starnberg verstrickt ist und von ihm Spendengelder kassiert hat. Im “richtigen Leben” ist der 31-jährige Harry Luck Leiter des Münchner Landesbüros der Nachrichtenagentur ddp, schon deshalb ein ausgemachter Kenner der Politikszene in und um München. Amigo- und andere Affären hätten ihn zu diesem Roman inspiriert, bekennt er zwar, betont aber gleichzeitig, dass die “Handlung frei erfunden” und der Krimi “kein dokumentarisches Abbild der politischen Kultur in Bayern” sei. Nochmal kein Wunder: Harry Luck ist nämlich derjenige Journalist, der seinerzeit mit einem Zitat über die angeblich gefärbten Haare des Kanzlers einen Medienrummel und eine Prozesswelle von kaum vorstellbarem Ausmaß ausgelöst hat. Man darf also davon ausgehen, dass er diesmal Andeutungen und Bezüge zur Realität juristisch abgesichert hat.
Der Ministerpräsident und sein Stab inmitten der Münchner Machtzentrale werden indessen mit viel Insiderwissen und Detailgenauigkeit beschrieben, besonders die Pressesprecherin der Staatskanzlei, die zwischen ihrer journalistischen Berufsethik und der Verpflichtung gegenüber ihrem Arbeitgeber hin und hergerissen ist, gibt als eine der Schlüsselfiguren dem Roman Glaubwüdigkeit. Auch der sensationsgeile Boulevard-Reporter Litzka, eine geheimnisvolle Schwabinger Hellseherin und die ermittelnden Kriminalpolizisten sind ebenso wie die Handlungsorte in München und am Ostufer des Starnberger Sees mit journalistischer Akribie ausrecherchiert, mit geradezu filmischer Genauigkeit dargestellt und zu einem temporeichen und kompakten Krimi verarbeitet.

Radio 106.4: Rasthof Höhenrain an der A 95: Der Sparkassenangestellte Schuster freut sich auf ein heimliches, bezahltes Schäferstündchen in seinem Wagen. Doch da peitschen Schüsse durch die Nacht. Ein Mann bricht leblos vor seinem Auto zusammen. Ein anderer Mann verstaut in der schützenden Dunkelheit die Leiche im Wagen. Dann steigt er in ein anderes Auto und fährt weiter Richtung Garmisch-Partenkirchen. Nach dem ersten Schock ruft die Begleiterin Schusters aber nicht die Polizei an, sondern Frank Litzka, den Lokalreporter der ATZ. Ganz schön schlagzeilenträchtig, denn das Mordopfer ist der bekannte Starnberger CSU-Landtagsabgeordnete Richard Stiller. Und, nachdem sich der Krimi in der Region abspielt, kommt einem sicher einiges bekannt vor. Im Verlauf seiner Recherchen stellt Lokalreporter Litzka fest, dass der ermordete Politiker Stiller knüppeldick in einen Spendenskandal verwickelt war. Und dann passiert noch was Schreckliches, auf den Ministerpräsidenten wird ein Attentat verübt… Schwarzgeld ist nicht nur ein spannender Krimi. Nein, ein besonderer Reiz entsteht auch dadurch, dass man die meisten Orte des Geschehens kennt. Besonders diebisches Vergnügen aber bereiten einem die mehr oder weniger zufälligen Parallelen zum echten, politischen Leben hier in der Region…

Remscheider General-Anzeiger: Zum zweiten Mal setzt Harry Luck, bei Krimi-Lesern durch sein hervorragendes Debüt mit “Der Isarbulle” bekannt geworden, seine Münchner Mordermittler Kriminalhauptkommissar Jürgen Sonne und Kriminaloberrat Horst Steinmayr auf einen verzwickten Fall an, der schnell auch die Kollegen vom Staatsschutz auf den Plan ruft.
Journalist Frank Litzka, genannt “Flitzer”, mit dem Sonne seit damals befreundet ist, mischt wieder kräftig mit. Der Roman mit dem vielsagenden Titel “Schwarzgeld” führt auf das glatte Parkett der Politik zwischen Münchner Staatkanzlei und Bayerischem Landtag. Luck, Remscheider und einst rga-Mitarbeiter, heute politischer Korrespondent in der Hauptstadt des Freistaates und Leiter des ddp-Landesbüros Bayern, weiß, worüber er schreibt. Der CSU-Politiker Richard Stiller, ein Saubermann, wird nachts auf einem Autobahn-Parkplatz erschossen. Tage später kostet ein Attentat den CSU-Ministerpräsidenten Stadlbauer um ein Haar das Leben. Haben die beiden Bluttaten miteinander zu tun? Welche Rolle spielt die Astrologin Rosemarie Keller und was hat der finanzkräftige Starnberger Unternehmer Ludwig Kaiser mit dem Fall zu tun?
Schnell wird deutlich, dass hier manch einer Dreck am Stecken hat und viele ihr Süppchen auf dem politischen Feuer kochen. Luck zeichnet auf angenehme Art schwarz/weiß, spart sich unnötiges Versteckspiel und aufgesetzte Verwicklungen. Er lässt die Dinge geschehen, wie sie leider tagtäglich passieren. Es ist, im Unterschied zu anderen groß angelegten Korruptions-Romanen, kein Konstrukt mit unrealistisch überhöhten Verschwörern, Nerven zerfetzender Action, Hollywood-Spektakel und überzeichneten Charakteren. Überhaupt ist es zum Teil das, was er bewusst nicht hineinpackt, was ihn und sein Buch wohltuend von anderen unterscheidet.
Die bedrückend glaubhafte Nähe zur deutschen Realität, zu den korrupten Biedermännern und den vor der “Staatsraison” mitunter machtlosen Ermittlern und Journalisten macht das Buch so spannend und durch Lucks locker-sympathischen Stil unterhaltsam. Man bedauert fast, die Lösung des Rätsels kommen zu sehen. Doch nach 203 Seiten ist der Fall schlüssig geklärt. Bayern steht als Roman-Schauplatz natürlich nur stellvertretend für die Amigo-Affären der ganzen Bananen-Republik. Ob Pressesprecherin Tanja Kollaritsch nun mit Sonne oder Litzka anbandelt, bleibt ungelöst. Das schreit nach Fortsetzung.

Süddeutsche Zeitung:
SZ: Harry Luck ist aber ein komisches Pseudonym.
Luck: Ich heiße so. Echt wahr.

SZ: Ach. Wegen Harry aus Derrick?
Luck: Nein. Ich habe holländisches Blut in den Adern. Und in Holland ist Harry ein verbreiteter Name. Sie kennen doch sicher Harry Wijnvoord von Der Preis ist heiß. Trotzdem höre ich natürlich ständig den Satz “Harry, fahr den Wagen vor.”

SZ: In Ihrem Roman geht es um Mordanschläge auf CSU-Politiker. Wieso stellt ausgerechnet der SPD-Fraktionschef Franz Maget Ihr Buch vor?
Luck: Maget ist bekennender Krimifan. Ich betone: In meinem Roman geht es nicht um SPD gegen CSU.

SZ: In Ihrem eigentlichen Job, Landesbürochef einer Agentur, haben Sie lediglich Anregungen gesammelt?
Luck: Ja, Anregungen. Mehr nicht. Mein Buch ist kein Schlüsselroman. Es ist Fiktion, auch wenn es für den politisch Interessierten den einen oder anderen Aha-Effekt bietet.

SZ: Aha. Sie sind an einem 11. September geboren. Führt das zwangsläufig in die Kriminalliteratur?
Luck: Nein. Franz Beckenbauer und Theodor Adorno sind auch am 11. September geboren. Ich plädiere für die Rehabilitation dieses Datums. Mein Geburtstag, der 11. September 1972, war übrigens der letzte Tag der Olympischen Spiele in München. Vielleicht wohne ich deshalb ja hier. Geboren wurde ich in Remscheid.

SZ: Sind Krimiautoren verbandlich organisiert?
Luck: Der Verein heißt “Das Syndikat”. Da sind übrigens auch Dolly Buster und Helge Schneider Mitglieder. Und auf der nächsten “Criminale” am Niederrhein wird nach seinem Krimi-Debüt auch Uli Wickert aufgenommen.

SZ: Sehr schön. Und wo könnte der nächste Mord passieren, Herr Luck? Bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung?
Luck: Mit kriminellen Zahnärzten kann man sicher keine hohe Auflage machen. Aber wie wäre es mit einem Mord bei der SZ?

SZ: Das wäre absurd. Sie müssten mal sehen, wie friedlich die Leute hier in der Kantine anstehen.
Luck: Da staut sich viel auf.

SZ: Unsinn.
Luck: Das schwelt im Unterbewusstsein. Glauben Sie es mir.

SZ: Stimmt. Jetzt spüre ich etwas.
Luck: Na Bitte.
(Interview: Martin Zips)

203 Seiten, 8,50 Euro, Erschienen 2004 im KBV-Verlag, ISBN 978-3937001166, online bestellen!