Der Isarbulle

Isarbulle

Seit über 20 Jahren löst der »Isarbulle« einen Fall nach dem anderen, doch auf einmal hat der berühmte Münchner Fernseh-Kommissar mit einem echten Mord zu tun. Bei den Dreharbeiten für den populären Freitagskrimi wird der Regisseur Drahomir Tomasek erschossen. Noch vor der Polizei taucht der Sensationsreporter Litzka am Tatort auf dem Bavaria-Filmgelände auf. Er wittert seine große Story und kommt bei seinen Recherchen Jürgen Sonne und Horst Steinmayr, den Ermittlern der Mordkommission, immer wieder in die Quere. Doch dann gerät Alfons Waldbauer, Hauptfigur der Serie und für den Fernsehzuschauer die personifizierte Gerechtigkeit, unter Mordverdacht. Spielt eine Law-and-Order-Partei im Münchner Rathaus, für die Waldbauer Wahlkampf macht, eine Rolle? Die Ermittlungen im TV-Milieu führen die beiden Kommissare in eine Welt, die mit ihrer realen Arbeit nur wenig zu tun hat.

Starnberger Merkur: Wie stellt man sich eigentlich jemanden vor, der Krimis schreibt? Sicherlich nicht so wie Harry Luck. Der ist ein ernsthafter Journalist, hat ein abgeschlossenes Studium der Politikwissenschaften und leitet die Bayernredaktion der Nachrichtenagentur ddp. Vor rund acht Jahren kam er zum Studieren nach München, absolvierte dieses dann aber eher “nebenbei”, arbeitete für den Bayerischen Rundfunk, die Associated Press und die tz. Inzwischen ist er 30 Jahre alt und lebt mit Frau und Kind in Gauting.
Warum also, und nicht zuletzt wann schreibt er Kriminalromane? Die Frage nach dem Wann ist schnell geklärt: Er nimmt sich ein paar Wochen Urlaub und verkriecht sich mit dem Laptop. Der Feinschliff entsteht dann nach Feierabend oder am Wochenende. Bleibt das Warum. Harry Luck liebt Krimis, hat sie stapelweise selbst gelesen und sieht sie gerne im Fernsehen. “Schreiben ist schließlich mein Beruf”, erklärt er. “Aber in der Arbeit muss ich mich an die Wahrheit halten. Und in einer Nachrichtenagentur ist das journalistische Korsett besonders eng.”
Das Krimischreiben ist für ihn Entspannung und Hobby, ein kreativer Kontrast zum “Nachrichtenfieber”, mit dem er täglich zu tun hat. Natürlich lässt er seine Fähigkeit zu genauem Recherchieren mit einfließen, verzettelt sich nicht mit blumigen stilistischen Ausschweifungen, sondern pflegt einen überaus prägnanten Schreibstil. Mit seinem zweiten Krimi - den ersten bezeichnet er als Jugendsünde - tritt er nun in die Fußstapfen des diesjährigen Krimipreisträgers Friedrich Ani: Von ihm stammten die ersten beiden Bände der “München-Krimis” aus dem Emons-Verlag.
Eine große Portion Lokalkolorit und Wiedererkennungswert für den Leser gehören zum Konzept der Regionalkrimis. Harry Luck malt nicht nur sehr plastisch einen Münchner Lokalreporter nach, er macht auch Gauting und die nähere Umgebung zum Tatort. “Für den Leser ist es wichtig, dass auch Details stimmen”, verrät er. “Man darf nicht einen Briefkasten beschreiben, den es nicht gibt, oder den Kommissar in falscher Richtung durch eine Einbahnstraße fahren lassen.”
Im nächsten München-Krimi wird es um eine Leiche im Starnberger See gehen. Und auch der Reporter von der Boulevardzeitung ATZ wird wieder dabei sein und tiefe Einblicke ins Zeitungsgeschäft zulassen.

Der “Isarbulle” ist ein Krimi im Krimi: Ein berühmter Münchner Fernsehkommissar wird in einen echten Mord verwickelt. Über 20 Jahre lang spielt Alfons Waldbauer den Freitagabend-Ermittler, kann irgendwann zwischen Rolle und Realität nicht mehr unterscheiden. Er selbst wird zur personifizierten Gerechtigkeit, besessen von der Idee, den Kommissar so echt wie möglich zu spielen. Ausgerechnet er gerät unter Verdacht, als in den Filmkulissen auf dem Bavaria-Gelände ein echter Mord geschieht. An der Suche nach dem Mörder des Regisseurs Drahomir Tomasek beteiligt sich neben Polizisten auch der skrupellose Sensationsreporter Frank Litzka. Die Ermittlungen in der Welt der Medien und Fernsehkrimis werden zu einem spannenden Spiel mit unterschiedlichen Ebenen der Realität, die sich immer mehr verzahnen. Polizisten in miefigen Revieren und Prominente in schicken Vororten, Fußball und Kommunalpolitik, blonde TV-Sternchen und betrogene Ehefrauen gehören ebenso zu diesem unterhaltsamenm Krimi wie pfiffige Anspielungen auf Persönlichkeiten aus der “echten falschen Fernsehwelt”.

Abendzeitung: Mit der Rolle seines Lebens sorgte er für den vermutlich bekanntesten Kultur-Export Deutschlands: Horst Tappert, alias Oberinspektor Derrick, wird heute 80 Jahre alt. An den TV-Ermittler, den Tappert fast ein Vierteljahrhundert lang spielte - ausgestrahlt in 108 Ländern - erinnert der titelgebende Held in Harry Lucks Romandebüt “Der Isarbulle”.
Wie meist beim oft zitierten Vorbild, geht es auch in dem Buch um Mord im Münchner Promi-Milieu. Nach Ende eines Drehtags zur Krimiserie “Der Isarbulle”, die seit über zwanzig Jahren freitags im öffentlich-rechtlichen Fernsehen läuft und weltweit Erfolg hat, wird der bekannte Regisseur Drahomir Tomasek erschossen im Studio der Bavariafilm aufgefunden. Mögliche Täter finden sich im Umfeld der Produktion schnell für das Kommissarenduo von der Mordkommission, den Mittdreißiger Jürgen Sonne und seinen fünf Jahre älteren Kollegen, Horst Steinmayr, aber wer hat ein Motiv?
Holger Brock, der Regieassisten, für den nun die Chance seines Lebens kommt, weil er die begonnene Folge zu Ende drehen darf? Die vielfach betrogene Regisseurswitwe und Lokalpolitikerin, die oft allein die Nächte im Haus in Grünwald zuzubringen hatte? Oder musste Tomasek sterben, weil er sich mit dem Isarbullen selbst, dem berühmten und mit seiner Rolle auch privat aufs engste verwobene Alfons Waldbauer, über das künstlerische Konzept nicht mehr einig war? Ihre Ermittlungen führen die beiden Ermittler, dicht gefolgt vom Boulevardreporter Litzka, tief in die Fernsehwelt mit ihren Blendungen und Doppelbödigkeiten. Sie machen die Bekanntschaft des Produzenten Silbermann und der ehemaligen Soap-Darstellerin Ulrike Gellner, die ihre Chance zum Wechsel ins Charakterfach gekommen sieht und es Sonne angetan hat. Bis zum Finale im Englischen Garten warten auf die - wie im TV-Vorbild mit geduldiger Psychologie vorgehenden - Kommissare noch einige Arbeit und Überraschungen.
Lucks Erstling ist unterhaltsam, und die sehr detaillierte liebevolle Beschreibung seiner Wahlheimat hat Charme. So verpasst er nicht, bei zügigem Vorantreiben der Handlung auch auf touristische Attraktionen in München hinzuweisen. Seine Figuren zeichnet er mit unterschiedlich differenziertem Strich. Und die Handlung garniert er mit realen Figuren von Rudi Carrell bis Walter Sedelmayer, so dass nicht nur “Derrick”-Fans ihre Aha-Erlebnisse haben.

Süddeutsche Zeitung: Der Name ist echt, der Vorname auch. Luck ist ein guter Name, er bedeutet Glück, und Harry ist in Holland, woher die Mutter stammt, ein so gebräuchlicher Name wie Thomas oder Sebastian in Bayern. Assoziationen mit „Harry, hol den Wagen!“ aus zahlreichen Derrick-Folgen sind also nicht gewollt, eher ein Hindernis für einen Krimischreiber. Harry Luck hat, rechtzeitig zum Krimifestival, seinen ersten München-Krimi „Der Isarbulle“ geschrieben, der zum Teil in Gauting spielt. Das heißt, der Hauptverdächtige hat dort sein Domizil, was eine interessante Verfolgungsjagd möglich macht. Der Autor selbst wohnt seit einem Jahr mit Frau, Kind und Hund im Würmtal, die Idee für den Krimiplott gab es aber schon zuvor.
Das Krimischreiben ist wie ein Hobby, ein Ausgleich zur trockenen Nachricht, zur ständigen Forderung nach Verknappung. Und weil Luck das Medien- Milieu am besten kennt, passiert der Mord im Fernsehstudio, während der Dreharbeiten zu einer Krimiserie. Erste am Tatort sind nicht etwa die Kommissare Sonne und Steinmayr, sondern Franz Litzka, Reporter bei der Boulevardzeitung ATZ. „Der Leser merkt, ob ein Autor ein Milieu gut kennt. Durch Recherchen habe ich einiges über Dreharbeiten und Fernsehkrimis mitbekommen“, sagt Luck. So habe er zum Beispiel den Polizeiarzt aus „Der Alte“ interviewt, oder Wilfried Klaus, der seit 250 Folgen zum SOKO-Team 5113 gehört. Sein eigenes Nachrichtenfieber findet sich im Reporter Litzka wieder, den er aber nicht als Alter Ego angelegt hat.

Landshuter Zeitung: Der Krimi lebt vom Wiedererkennungseffekt. Das spezielle Münchner Milieu und die dort angesiedelten Film- und Fernsehproduktionen werden in ihrer ebenso spießigen wie erfolgreichen Verkrampftheit satirisch dargestellt. Erst wenn die Kommissare die Drehbücher als lebensfern bespötteln, weil etwa jede Tat im 60-Minutentakt aufgelöst wird, merkt der Leser, dass auch dieser Krimi genau jene Fiktionen bedient, die er zu kritisieren vorgibt. Trotzdem oder gerade deshalb folgt man dem doppelten Spiel mit Vergnügen.

Badische Neueste Nachrichten: Was wäre, wenn Oberinspektor Derrick plötzlich mit einem echten Mordfall zu tun hätte? Und zwar nicht als Ermittler, sondern als Verdächtiger? Keine Frage: Für seine riesige Fangemeinde bräche die Welt zusammen. Und auch der Schauspieler, dem die Rolle des behäbigen Fernsehfahnders in all den Jahren zur zweiten Haut wurde, geriete in eine schwere Krise.
In diesem Krimi heißt der Oberinspektor nicht Derrick, sondern Grieshaber und sein Darsteller nicht Tappert, sondern Waldbauer. Auch sonst hat der Autor seine Erfahrungen als Münchner Journalist genutzt, um eine unterhaltsame Geschichte zu konstruieren, die sich so oder ähnlich wirklich abgespielt haben könnte. Die eingebildeten Gestalten der Fernsehbranche, die übereifrigen Reporter, die Wichtigtuer aus der Kommunalpolitik, die schlichten (wenngleich sympathischen) Gemüter bei der Polizei - sie alle wirken wie aus dem echten Leben gegriffen. Die Auflösung des Falles ist zwar vorhersehbar, aber das muss nicht stören. “Derrick” ist ja auch nicht gerade für kunstvoll geflochtene Handlungsstränge berühmt.

www.krimi-forum.net: Alfons Waldbauer ist Oberinspektor Diether Grieshaber, der “Isarbulle”, bzw “The bavarian Cop” oder auch “Le Commissaire bavarois” - Held der Erfolgsfernsehserie aus den Münchener Bavaria-Studios. Die läuft in fast jedem Land der Welt und das schon seit nahezu zwanzig Jahren. Ein Narr, wer bei einer solchen Konstruktion an einen gewissen Stephan Derrick, Oberinspektor, denkt, der 281 Mal über die Bildschirme der Republik flimmerte. Aber trotzdem - mal weitergedacht: Was wäre passiert, wenn Stephan Derrick alias Horst Tappert auf einmal in einen richtigen Mordfall hineingeraten wäre? Wenn der Regisseur der aktuellen Folge nachts in der Studiohalle erschossen worden wäre?
Mit einer Polizeiwaffe, wie die Kommissare Sonne und Steinmayr - jetzt wieder im Roman vom “Isarbullen - rasch wissen. Und obwohl die beiden echten Isarbullen die Verdächtigen und Motive des Falles schnell zusammenbringen, gibt es einen, der ihnen immer eine Naselänge voraus ist: Frank Litzka alias “flitz” oder auch “der Flitzer”, Polizeireporter beim Boulevardblatt ATZ. Da verstehen die Kommissare allerdings schon bald keinen Spaß mehr - und auch jemand aus dem Kreis der Verdächtigen fühlt sich derart auf den Schlips getreten, dass er den Presse-Schnüffler ins Visier nimmt.
Krimi zwischen Schein und Sein: “Der Isarbulle” ist nicht wirklich ein Schlüssel(loch)roman über Derrick und Konsorten, sondern vor allem witzige Geschichte aus der Fernsehwelt, die im Hintergrund ernsthaft und gut gezeichnet wird: mit dem Ex-Soap Starlet, das von einer ernsthaften Schauspiel-Karriere träumt, dem silberhaarigen Erfolgsproduzenten, den Zuträgern und Schranzen der Fernsehproduktion und dem nicht immer entspannten Verhältnis zwischen Fernsehen, Polizei und Boulevardpresse.
Da gibt es verlorene Illusionen, falsche Loyalitäten und dunkle Flecken in der Vergangenheit der sauberen Serienhelden. Und ganz anders als im Fernsehkrimi gibt es auch einen Kommissar, der sich in eine Verdächtige verliebt und damit in arge Bedrängnis gerät.
Harry Luck kommt bei seinem Krimidebüt seine Berufserfahrung als Reporter sehr zu gute, weil er weiß, worauf man sich beim Schreiben konzentrieren muss: dass die Geschichte weitergeht und die Figuren nicht langweilig sind. Und dass natürlich die Lösung in einem Kriminalroman ganz anders sein sollte als in einem Fernsehkrimi.

Bergische Zeit: Der Kölner Emons Verlag, der durch seine Krimis mit Lokal- und Regional-Kolorit, vor allem aus dem Bergischen Land und von der Rhein-Schiene, erfolgreich in das populäre Genre eingestiegen ist, hat sein Verlags-Spektrum nach Süden erweitert. Nach dem erst kürzlich mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichneten Haus-Autor Friedrich Ani ist in München, der «Kommissar»-Stadt schlechthin, nun der Journalist Harry Luck in die Verbrechens-Szene eingestiegen und hat mit dem Roman «Der Isarbulle» ein beachtliches Debüt gegeben. Wenn er nicht in Münchens Peripherie leben würde, wäre sein Erstling vielleicht ein Bergischer Krimi geworden – denn Harry Luck stammt aus Remscheid.
Der Chef der Nachrichtenagentur ddp für Bayern und Baden-Württemberg, der seine journalistischen Weihen bei einer Remscheider Lokalzeitung erhalten und in München studiert hat, ist in der Stadt an der Isar «hängen geblieben». Als Freund der «Tatorte» mit Leitmayr und Batic und den Freitagabendkrimis im Fernsehen, die seit Jahrzehnten den «Kommissar», «Derrick» oder den «Alten» in der Münchner High Society ermitteln lassen, hat er hinter die Kulissen geschaut, in der TV-Branche und bei den Mordermittlern der Polizei recherchiert und einen griffigen Roman geschrieben, der gute Unterhaltung und Spannung bietet. Der «Isarbulle» löst seit über zwanzig Jahren Kriminalfälle in den besseren (?) Münchner Kreisen, sie wissen schon: Villen in Grünwald, Türbogen, großzügige Grundstücke mit Auffahrten. Jetzt aber wird Mord Realität für Alfons Waldbauer, den erfolgreichen Seriendarsteller – sein Regisseur Drahomir Tomasek wird am Set mit einer Waffe vom Polizeikaliber 9 x 19 SX erschossen.
Verdächtig sind viele, denn schnell werden Neid, Eifersüchteleien und handfeste Interessen an die Oberfläche der schimmernden Welt des Showbiz gespült. Die Kommissare Jürgen Sonne und Horst Steinmayr müssen in die Welt der Stars und Intrigen eintauchen und versuchen, die Show vom Leben zu trennen und die Verbindung zu Polizeikreisen aufzudecken… Harry Lucks Roman verschafft nicht nur gute Unterhaltung, er macht in der gelungenen Mischung von Polizeiroman und klassischem «Who-done-it» gleichzeitig Appetit auf weitere Abenteuer der beiden Mordermittler der Münchner Kripo.

176 Seiten, 9,00 Euro, Erschienen 2003 im Emons-Verlag, ISBN 978-3897052918 , online bestellen!