Absolution
Der Münchner Erzbischof Johannes Kardinal Bauer gilt als Anwärter auf die Nachfolge des verstorbenen Papstes. Doch das Konklave in Rom erlebt er nicht mehr. Sein Sekretär Manfred Heuser findet die Leiche des Kadinals im erzbischöflichen Palais - erschlagen mit einer bronzenen Heiligenstatue. Die Reihe der Verdächtigen ist lang. Wurde Bauer ermordet, weil er von Heusers Homosexualität wusste? Welche Rolle spielt der verschrobene Theologieprofessor vom Ammersee, dem die liberalen Ansichten des Kardinals ein Dorn im Auge waren? Was verbirgt sich hinter dem geheimen Treffen mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Scharfenstein kurz vor dem Mord? Als dann plötzlich eine mysteriöse Gestalt aus Rom in München auftaucht und sich in die Ermittlungen der Mordkommission einmischt, vermuten die Hauptkommissare Jürgen Sonne und Renate Blombach eine Vatikan-Verschwörung.
Süddeutsche Zeitung: Luck, der mit “Der Isarbulle” vor vier Jahren als Krimiautor debütierte, setzt auch im jüngsten Buch seine Methode des knappen Schnittes und der wechselnden Perspektiven fort. Diesmal jedoch recherchiert nicht, wie in den vorangegangenen drei Büchern, der Münchner Lokalreporter Frank Litzka, sondern die Ermittlungsarbeit liegt ganz allein in Händen von Kommissar Jürgen Sonne. Gemeinsam mit seiner Kollegin Renate erhält Jürgen im Zuge der Ermittlungen nicht allein tiefe Einblicke in die Doppelmoral sowohl der Kirche als auch der Staatspolitik, sondern entdeckt einige Details zum kirchlichen Leben in er ehemaligen DDR. Von dort nämlich stammt Kardinal Johannes Bauer, und aus dem einstigen Ostblockland Polen stammen die mysteriösen Heiligenstatuen, von denen eine als Tatwaffe herhalten musste.
“Absolution” ist spannende, unterhaltsame Lektüre, der Leser folgt dem Kommissar auf den Spuren der zahlreichen Verdächtigen. Zuweilen sind es beinahe ein paar zu viel, die als mögliche Täter in Frage kommen, zumal einige dieser Figuren in der weiteren Folge des Krimis keine Rolle mehr spielen. Auch hat man bisweilen Mühe, dem roten Faden oder zumindest einer deutlicheren Spur folgen zu können. Das ist durchaus ein Problem der Multiperspektivität, die Undurchsichtigkeit auf dem politischen Terrain nicht allein erzählt, sondern auch nachbildet. Dafür schließt sich am Ende jedoch auf überraschende Weise ein Kreis, der bereits ganz vorn, im Prolog, seinen Anfang nimmt. “Absolution”, der neue Krimi von Harry Luck, sollte am besten am Stück gelesen werden - also einfach für den nächsten Urlaub, die nächste längere Bahnfahrt bereithalten.
FOCUS: Harry Luck zeigt in seinem Krimi “Absolution”, wie nahe Fiktion und Realität beieinander liegen. Herrn Ratzinger kenne er von Presseterminen, sagt Luck. Aber natürlich wünsche er keinem echten Kardinal den Tod.
Starnberger Merkur: Vatikanverschwörung und Politikschmierereien, DDR-Geschichte und Homosexualität als Mega-Sumpf in einem einzigen Krimiplot miteinander zu verbinden, das ist natürlich viel zu dick aufgetragen, könnte man sagen. Wüsste man nicht, dass Harry Luck als Politik-Journalist nicht nur auf eine reiche Erfahrung aus verschiedenen Redaktionen in der bayerischen Landeshauptstadt zurückblicken kann, unter anderem auch bei einer Boulevardzeitung, sondern auch auf rund zwei Jahre bei einer Nachrichtenagentur in Berlin. Natürlich sind alle seine Figuren Fiktion und man wird sich schwer tun, will man eine von ihnen tatsächlich an der Realität festmachen. Aber womöglich verfremdet der Krimiautor Luck die Wirklichkeit eben nur so weit, dass er die Wahrheiten schreiben kann, die der Journalist Luck niemals schreiben könnte. Möglich wäre es.
www.deutsche-krimi-autoren.de: Autor Harry Luck hat einen interessanten und spannenden Plot geschrieben, der zum größten Teil in München spielt, aber auch Rom und Berlin berührt. Zwischen zwei Großereignissen geschieht ein Mord, der eine viel größere Bedeutung hat als angenommen. Man kann schon sagen: Er verändert die Welt. Geschickt pendelt der Autor zwischen den Stationen hin und her und gibt nur nach und nach Informationen an seine Leser weiter. Am Ende löst sich ein dicker Knoten. Fazit: Lesenswert! Empfehlenswert!
www.media-mania.de: Die Spannung im Buch verläuft wellenförmig. Immer wieder denkt der Leser, dass der Mörder des Kardinals gefunden ist, bis dann weitere Kenntnisse alle möglichen Theorien wieder zunichte machen. Dieses Buch möchte man gar nicht mehr aus der Hand legen, man hat das Gefühl, sonst etwas zu verpassen.
Aber nicht nur der Spannungsverlauf ist bei diesem Buch besonders zu erwähnen. In diesem Krimi gibt es keine Tabu-Themen. Sowohl die Tatsache, dass es den Politikern nur noch um Macht und nicht mehr um Inhalte oder gar um die Menschen geht, als auch die Doppelmoral der Katholischen Amtskirche zum Thema Sexualität spielen eine wichtige Rolle in diesem Krimi.
Besonders zu erwähnen ist auch das Verhältnis der beiden Hauptkommissare zum Thema Religion. Während Renate Blombach als Person charakterisiert wird, deren bayrische Heimat gleichzeitig mit einem Urvertrauen in alle katholischen Priester verbunden ist, hat der aus dem Rheinland stammende und der protestantischen Kirche angehörige Jürgen Sonne erhebliche Probleme mit der Katholischen Amtskirche und sieht in jedem Priester, der in diesem Krimi eine Rolle spielt, gleich einen Hauptverdächtigen. Dass dies natürlich zu einigen mit Humor ausgetragenen Differenzen und Streitgesprächen zwischen den beiden führt, muss nicht besonders erwähnt werden.
Ein Krimi der wahren Spitzenklasse. Dies gilt auch hinsichtlich der Tatsache, dass hier nicht mit viel Brutalität ein Mord nach dem anderen passiert, sondern dass hier zwar ein Mord aufzuklären ist, der allein wegen des prominenten Opfers für viel Gesprächsstoff sorgt, dieser aber – wegen der vielen anderen angesprochenen Themen – manchmal sehr nebensächlich erscheint.
Die hervorragende Recherche des Autors in Politik und Kirche sind Grundlage für einen traumhaften Kriminalroman.
www.alligatorpapiere.de: Mit seinem dritten Kriminalroman um den Münchner Mordermittler Jürgen Sonne begibt sich Harry Luck gleich auf mehrere neue und heikle Parkette. Gemeinsam mit Kollegin Renate Blombach muß der von schönen Frauen nachgerade verfolgte Sonnyboy quasi auf geweihtem und auf schlüpfrigem Boden ermitteln, denn das Opfer der ruchlosen Mordtat ist der Münchner Erzbischof Johannes Kardinal Bauer, der nicht geringe Chancen hat, beim Konklave nach dem Tod Papst Hadrians IX. zum nächsten Stellvertreter Gottes auf Erden zu gewählt zu werden.
Dch nicht nur eine hektisch betriebene Papstwahl mit ihren innervatikanischen Intrigen und Ränken steht im Raum, auch eine Bundestagswahl und somit die Wahl eines neuen Bundeskanzlers steht an. Der SPD-Kanzlerkandidat Julius Scharfenstein ringt mit fallenden Popularitätszahlen und einem Skandal, der ihm durch Paparazzi-Fotos die Affäre mit der Gattin eines CDU-Politikers als Knüppel zwischen die Beine wirft. Einen positiven Schub verspricht er sich auf Anraten seines Pressechef Sandro Ohl von einem Händedruck mit Kardinal Bauer. Doch der hat kurz zuvor sein Leben unter einem Schlag mit der antiken Pasadelski-Skulptur des Hl. Josef ausgehaucht.
Wir sehen, Harry Luck hat die ganz große weltliche und klerikale Politik aufs Korn genommen, wobei er Fäden aus allen Richtungen verknüpft, die 1970 mit einer Beichte in Ost-Berlin beginnen und schließlich mitunter etwas herbeigeholt wirken. Verdächtige zaubert er in Hülle und Fülle aus dem Hut, hätten doch etliche Beteiligte unter Umständen persönliche oder politische Gründe gehabt, den Papst-Anwärter um die Ecke zu bringen. Die Typen, die Luck dabei zeichnet, gefallen wie stets in seinen Romanen. Er läßt einerseits seine zentralen Figuren wie Sonne und Blombach, den Journalisten und alten Freund Sonnes Frank Litzka und Sonnes früheren Kollegen und jetzt Chef Horst Steinmayr, der den Sprung in die Führungsetage geschafft hat, ihre Züge weiter verfestigen und führt zum anderen neue, interessant gezeichnete Figuren ein. Ob das Sandro Ohl ist, die ein wenig verkniffene Kollegin Ingrid Hechler, der Journalist Bodo Rauch, der homosexuelle Sekretär des Kardinals, Manfred Heuser oder der geheimnisvolle Abgesandte des Vatikan, der den Ermittlern Kopfzerbrechen bereitet.
War es Rache, Angst, politisches Kalkül, Raub oder gab es ganz andere Gründe für den Mord? Bis Motiv, Tatverlauf und Täter feststehen, führt Harry Luck seine Leser mehrfach kunstvoll an der Nase herum. Briefe und Heilige spielen eine nicht unerhebliche Rolle dabei. Das ist nicht immer ganz schlüssig und wie oben gesagt mitunter etwas sehr konstruiert, doch durchweg unterhaltend und eigentlich Stoff für mehrere Krimis. Daß die Lösung schließlich einfacher ist, als sie scheint, versöhnt mit den Konstrukten.
Den knackigen Rang der Vorgänger “Isarbulle” und “Wiesn-Feuer” erreicht “Absolution” nicht ganz, dennoch erteilen wir diese dem gut erzählten und unterhaltsamen Roman gerne.
Augsburger Allgemeine: Schon der Titel erinnert an Dan Browns Kassenschlager “Illuminati” und “Sakrileg”. Letzteres wird von Luck sogar im Buch erwähnt. Der Vatikan, um den sich in den vergangenen Jahren viele Romane rankten, ist einer der Schauplätze des Krimis. Ein anderer ist der Ammersee. Luck verknüpft in seinem vierten Buch gekonnt den Vatikan-Trend mit dem Regionalkrimi.
“Ich schreibe gerne über Dinge, mit denen ich mich auskenne”, sagt der Autor. Das sind im Fall des Redakteurs von Focus Online die bayerische Landespolitik, die bayerische Landschaft und offensichtlich auch die Kirche. Als ehemaliger Messdiener habe er sich aus seinem “reichhaltigen Erfahrungsschatz” bedient. Herausgekommen ist ein lesenswerter Krimi, in dem der Journalist schon auf Seite eins mit dem ersten Mord aufwartet. Dann stirbt der Papst. Kurz darauf auch der Erzbischof von München und Freising, der als vielversprechender Anwärter auf dessen Nachfolge galt. Parallelen zur Karriere Josef Ratzingers sind da nicht rein zufällig. Schließlich entstand das Werk just zu der Zeit, als dieser zum Pontifex gekürt wurde. Der unnatürliche Tod des fiktiven Erzbischofs ruft selbstverständlich Lucks Ermittlerteam, Jürgen Sonne und Renate Blombach, auf den Plan. Und die landen auf der Suche nach dem Mörder ausgerechnet in Herrsching am Ammersee. Dort wo die Kirchenglocken mit ihrem viertelstündlichen Geläute die Menschen in den Wahnsinn treiben, wie Luck vermutet. “Das habe ich alles knallhart vor Ort recherchiert”, erklärt der Autor im Brustton der Überzeugung.
288 Seiten, 9,50 Euro, KBV-Verlag, ISBN 978-3-940077-04-2, online bestellen!